Fischers Fritze fischt in Son bei Oslo

Welch schöne Gelegenheit eine neue Kategorie vorzustellen: Urlaubsziele in Norwegen

Hierunter werde ich alle Orte sammeln an denen WIR Urlaub gemacht haben – ergo welche wir bewerten können.
Das kann die kleine Fischerhütte außerhalb Oslos sein genauso wie hier hoffentlich in Zukunft Berichte über Hurtigrutenfahrten, Smalbard, Bergen, die Lofoten.... all die schönen Orte die man hier im Land besichtigen kann eben :-)
Hierher kommen also UNSERE Urlaubsberichte.
Bedeutet: Die Berichte sind unglaublich subjektiv und ziemlich sicher voller Erzählungen die den werten Leser der uns nicht persönlich kennt langweilen könnten.
Trotzdem kann auch so ein subjektiver Eindruck vll interessant bei der nächsten Urlaubsplanung sein.
Unser erster inländischer Urlaub wurde bedingt durch zwei herrliche Umständen:
1) Beschder Besuch vom Zauberpony und dem Herrn Jensen
2) Das supidupi Gemeinschaftsgeburtstagsgeschenk für den Mann, eine Angel nebst Zubehör.

Also war klar, während des Besuchs müssen wir ein paar Tage auf eine Angelhytta fahren.
Nein, Hytta ist nicht falsch geschrieben sondern eine sehr norwegische Form des Urlaubs bzw. der Art das Wochenende zu verbringen.
Das ganze bekommt als Konzept noch einen eigenen Eintrag bei „typisch Norwegisch“ aber (zumindest plane ich das so) erst, wenn ich eine „richtige“ Hytta selbst erlebt habe.
Deshalb nur in aller Kürze:
Hytta bedeutet Hütte, wer hätte es gedacht, liegt entweder in den Bergen, am Meer/Fjord oder an nem See und sollte möglichst einsam sein. Normal gibt es keinen Strom, kein fließend Wasser und auch sonst keinen Luxus (Stichwort: Außenklo). Im Gegenteil, je weiter weg von allem zivilisierten Luxus die Hütte liegt, desto besser findets der Norweger.
Aber so ganz typisch norwegisch sind wir noch nicht, daher wollten wir zumindest eine Hütte mit Strom und fließend Wasser und haben eine solche auch gefunden.

Falls sie jemand buchen möchte, wir können sie wärmstens weiterempfehlen:
http://www.finn.no/r/feriehus-hytteutleie/object?finnkode=48194871
Die Fotos auf der Homepage zeigens schon:
Eine „koselige“ und kinderfreundliche Hütte, 100m vom Wasser entfernt. Wohnzimmer mit Öfchen, riesengroße Terrasse, Essküche mit Doppelbett, zwei winzige Zimmer mit je einem Bett und ein Schlafzimmer mit Doppel- und Gitterbett, Bad mit Spülklo UND Dusche ← Luxus in Sachen Hütte, Strom und fließend Wasser ABER: keine Heizung!!!!!!!!!!
Also 6-8 Erwachsenenschlafplätze (wenn man die Sofas mitzählt) und ein Babybett.
Grundausstattung an Bettzeug und Geschirr ist vorhanden, kleiner Kühlschrank und Herd sind in der Küche. Kinderstuhl, Sonnenstühle, Balkonmöbel, Kinderspielzeug, Bootsanleger....
Keine Handtücher.
Das ist wie so oft in Norwegen die Privathytta von jemandem der da nur am We ist und sie unter der Woche vermietet.
Das Schnuckelchen kostet 4000 Kronen die Woche, also ca 500 Euro die Woche = geteilt durch X Personen natürlich.

Das mit dem 100m bis zum Wasser war nicht gelogen.
100m bis Strand 1

Einmal um das Landzünglein rum gabs herrliche Angelstellen.

500m in die andere Richtung gabs den Traumstand schlechthin mit weiteren Angelfelsen.

Und bis ins eigentliche Mini-Altstädchen warens ca. 2,5-3 km

Die Hytta war in Son.
Einem gefühlt winzigen Städtchen das dem was man in Deutschland „Kurort“ nennt sehr sehr nahe kam.
Es liegt 50km und ca. 1 Stunde Zugfahrt von Oslo entfernt, ist mit diesem recht bequem zu erreichen und liegt noch innerhalb der 4. und letzten Zone des Osloer öffentlichen Nahverkehrs.
Damit ist der Ort und die Hytta auch perfekt für nur mal nen Wochenendausflug geeignet.
Son liegt in einer kleinen Einbuchtung des Oslofjord.
Die großen Kreuzfahrschiffe und Fähren kommen also nicht direkt vorbei aber man kann sie hinter den Hügeln und zwischen den Inseln durch sehen.
Das Wasser ist völlig ruhig und klar während es draußen im Fjord schon mal Wellen gibt.
Also perfekt zum Schwimmen und Angeln :-)
Es gibt dort ein Spa, gefühlt tausend Ferienwohnungen, einen Segelschiffhafen und eine drei bis vier Häuser große Altstadt.
Der eigentliche Ort, da wo die „richtigen“ Einwohner wohnen ist den Berg hoch gestreckt und sieht langweilig aus wie jedes Neubaugebiet. Mir richtige Einwohner meine ich die 5035 Norweger die da richtig wohnen und nicht „nur“ ne Hytta haben.
Was der Name genau bedeutet ist nicht mehr ganz nachvollziehbar, es könnte der alte Name des Flusses Hølenselva sein. In der norwegischen Literatur wird das Wort „son“ als poetisches Wort für Blut gebraucht und es könnte ein altes Wort schlichtweg für „Flüssigkit“ sein.
War nicht hilfreich, ich weiß ;-)

Während der Renaissance wurde der Ort wegen seines ruhigen Hafens in der Bucht wichtig. Holz, der wichtigste Rohstoff Norwegens bevor das Öl kam, konnte von hier aus sicher verschifft werden und die Stadt/das Örtchen wurde ein wenig wohlhabend und größer.
Wir haben auf der Hytta ein Buch mit alten Zeichnungen gefunden und es war schon beeindruckend was für Schiffe in diesem aus heutiger Sicht winzigen Segelschiffhafen lagen.
Als der Holzhandel nicht mehr aktuell war verarmte das Städtchen wieder.
Später – was auch immer Wikipedia mit später meint – wurde das Städtchen ein Künstlerstädtchen, davon haben wir nichts gesehen aber das soll nichts heißen.

Son gibt sich Mühe für Touristen attraktiv zu sein aber das richtet sich eher an (Segel-)Bootsreisende und Angler. Es gibt genau ein Museum und das ist ein kleiner alter Kiosk voll Werbeschilder.
Nicht beeindruckend.
Restaurants gibt’s aber haben wir nicht getestet.

Das beste waren ehrlich gesagt die hammermäßigen Sonnenuntergänge und die absolute Kitschüberdosis da am Fjord mit seinen Inselchen und roten Fischerhäuschen drauf....

Inklusive kitschigem Schwan der kitschig vor kitschigem Sonnenuntergang ehrwürdig vorbeiglitt ;-)

Wir haben sogar eine Robbe im Wasser spielen sehen!!!!

Jetzt was macht man an so eine Ort?
Also ich weiß nicht was „man“ macht aber wir haben uns entspannt.

Bedeutet:
Die Männer haben geangelt.
Leider 4 Tage lang erfolglos aber immerhin kanns der Mann jetzt und ich durfte auch mal versuchen.

Macht Spaß aber ich glaube ich wäre eher ein „Ansitzangler“ der mit einem guten Buch dasitzt und wartet bis der Fisch von selber kommt ;-)

Frau Zauberpony und ich haben gelesen, uns gesonnt, sind braun geworden UND waren sogar im Fjord schwimmen, ganz tapfer obwohl es schon empfindlich kalt war.
Herrlich :-)

Naja aber da man eben was essen muss und die Männer keine Fische angeschleppt haben sind wir alle vier eben auch noch Pilze und Beeren sammeln gegangen.
Schon ein hartes Los so ein Hyttaurlaub.

Das war dann auch eher ein „aufpassen, dass man die Pilze die einem schon von selbst in den Korb springen nicht tot tritt“ als ein „Pilze sammeln“.
Lecker wars.
Steinpilze, Pfifferlinge, Birkenpilze, Ziegenlippe und Maronen in rauen Mengen.
Teile wurden getrocknet, Teile gebraten, Teile geschmort, Teile zu Sauce verarbeitet und ein Pilzrisotto gabs auch.
Beerentechnisch waren die Blaubeeren schon durch (es ist in Son wärmer als in der Nordmarka) aber wir haben Preiselbeeren gefunden dies einmal als Kompott und einmal als Kuchen gab.
Verhungert sind wir nicht.
Nur leider in der ersten Nacht schier erfroren. Gut wir hätten den kleinen Ofen im Wohnzimmer anmachen können aber wer rechnet denn damit, dass es nur weils ein bisschen regnet einen Tag lang in der ersten Nacht so schweinekalt wird?!?!?!
Also in Norwegen gilt: Egal was der Wetterbericht und der Kalender sagen, kuschlige Klamotten sollte in Reichweite sein.
Aber trotzdem, schön wars und wiederholt werden muss es auch. Dann hoffentlich ohne diverse Stressmomente davor und danach :-)

Danke Herr Jensen und Frau Zauberpony fürs mit uns schön Urlaub machen :-)

FerminaDaza - 16. Sep, 16:20